Unsere TAB: Technik und Geschichte
In der Thermischen Abfallbehandlungsanlage (TAB) am Standort Korzert behandelt die AWG Restabfälle aus Wuppertal und der Region. Die dabei frei werdende Energie nutzen wir zur Erzeugung von Strom und Fernwärme.
Seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1976 wurde die Anlage mehrfach erweitert und modernisiert. Lernen Sie den Standort kennen und erfahren Sie, wie Abfallbehandlung, Energiegewinnung und Rauchgasreinigung zusammenwirken.
Der Standort Korzert im Überblick
Am Standort Korzert greifen verschiedene Aufgaben der Abfallbehandlung und Energieversorgung ineinander. Die Übersicht zeigt die wichtigsten Anlagenbereiche und weitere Einrichtungen auf dem Betriebsgelände.
Abfallannahme und Behandlung
Über die Waage gelangen Anlieferungen zur Kipphalle. Der Abfallbunker dient der Zwischenlagerung vor der thermischen Behandlung. In den Kesseln wird die dabei frei werdende Wärme zur Dampferzeugung genutzt.
Rauchgasreinigung
Die Vor- und Nachreinigung befinden sich in eigenen Anlagenbereichen. Nach dem Durchlaufen der Reinigungsstufen werden die Rauchgase über den Kamin abgeführt.
Wärmeversorgung
Die Karte kennzeichnet die Fernwärmeverbindungen über die Südwest-Trasse und die Südhöhen-Trasse. Über diese Infrastruktur wird Wärme vom Standort für die Versorgung in Wuppertal bereitgestellt.
Weitere Einrichtungen
Zum Betriebsstandort gehören außerdem die Schlackeaufbereitung, der Recyclinghof und das Verwaltungsgebäude. Die Karte zeigt auch die Wasserstoffinfrastruktur mit der H₂-Tankstelle.
Nach der Verwiegung gelangen die zugelassenen Abfälle in die Kipphalle und anschließend in den Müllbunker. Von dort werden sie der Rostfeuerung zugeführt.
Bei der thermischen Behandlung bewegen sich die Abfälle über den Rost. Die frei werdende Wärme wird im Kessel auf Wasser übertragen und erzeugt Dampf. Am Ende des Rostes verbleibt die Rostasche, die zur weiteren Aufbereitung über die Nassentschlacker abgeführt wird.
Die TAB ist als Sammelschienenkraftwerk aufgebaut. Das bedeutet: Mehrere Kessel speisen ihren erzeugten Dampf in ein gemeinsames Leitungssystem ein, die sogenannte Dampfsammelschiene. Aus diesem System werden die angeschlossenen Turbinen versorgt.
Dadurch lassen sich Dampferzeugung und Turbineneinsatz innerhalb der technischen Betriebsgrenzen aufeinander abstimmen. Welche Kessel und Turbinen eingesetzt werden, richtet sich unter anderem nach ihrer Verfügbarkeit und dem jeweiligen Betriebsbedarf.
In den Turbinen entspannt sich der Dampf und treibt die Turbinenwellen an. Die angeschlossenen Generatoren wandeln diese Bewegung in elektrische Energie um.
Für die Wärmeversorgung wird außerdem Energie aus dem Dampf ausgekoppelt. Die TAB stellt damit sowohl Strom als auch nutzbare Wärme bereit. Dieses Prinzip wird als Kraft-Wärme-Kopplung bezeichnet.
Die Wärme wird in die Versorgungsinfrastruktur der Wuppertaler Stadtwerke eingespeist und trägt zur Fernwärmeversorgung in Wuppertal bei.
Bei der thermischen Behandlung entstehen Rauchgase. Bevor diese über den Kamin abgeführt werden, durchlaufen sie mehrere Reinigungsstufen.
Elektroentstauber entfernen zunächst Staub aus dem Rauchgas. In der nachfolgenden Vorreinigung werden weitere Schadstoffbestandteile gebunden und zusammen mit den Reaktionsprodukten über Gewebefilter abgeschieden.
Zur Nachreinigung gehören Herdofenkoksfilter und Katalysatoren. Die Herdofenkoksfilter dienen der Abscheidung weiterer Schadstoffe. Die katalytische Reinigung reduziert Stickoxide. Die Abkürzung SCR steht für „selektive katalytische Reduktion“.
Die einzelnen Stufen übernehmen unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich bei der Rauchgasreinigung.
Nach der thermischen Behandlung verbleibt Rostasche. Diese wird durch die AWG-Tochter WVW aufbereitet. Dabei werden unter anderem Eisen- und Nichteisenmetalle zurückgewonnen.
Zusätzlich entstehen Filterstäube und Rückstände aus der Rauchgasreinigung. Diese werden getrennt erfasst und den dafür vorgesehenen Entsorgungswegen zugeführt.
Die AWG veröffentlicht regelmäßig Umwelt- und Betriebsdaten der TAB. Dazu gehören Angaben zu den behandelten Abfallmengen, zur Energieabgabe und zu den Emissionen.
Informationen zur Zertifizierung als Entsorgungsfachbetrieb finden Sie im aktuellen Zertifikat. Es weist die erfassten Tätigkeiten, Abfallarten und Standorte sowie die Gültigkeitsdauer aus.
Die Geschichte unserer TAB
Die Geschichte der TAB beginnt mit einer gemeinsamen Entsorgungsaufgabe: Als die Deponien in Wuppertal und Remscheid an ihre Grenzen stießen, entstand die Planung für eine interkommunale Müllverbrennungsanlage am Standort Korzert.
Seit 1976 entwickelte sich die Anlage durch den Ausbau der Rauchgasreinigung, die Einbindung in die Fernwärmeversorgung und die Modernisierung der Kessel weiter. Die folgenden Meilensteine zeigen diese Entwicklung.
1973 – Baubeginn am Standort Korzert
Auf dem Gelände des ehemaligen Steinbruchs Triches entsteht die neue Anlage. Am 21. August 1973 setzen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher und der Wuppertaler Oberbürgermeister Gottfried Gurland den ersten Spatenstich.
1976 – Die Anlage nimmt ihren Betrieb auf
Drei Jahre nach dem ersten Spatenstich geht die Müllverbrennungsanlage in Betrieb. Bundesinnenminister Werner Maihofer betätigt den Startknopf. Die Baukosten betragen 126 Millionen D-Mark.
1978 – Inbetriebnahme der Rauchgaswäsche
Nach einem Brand im Jahr 1977 wird eine Rauchgaswäsche geplant und errichtet. Am 27. September 1978 nimmt sie ihren Betrieb auf und erweitert die Möglichkeiten zur Reinigung der Rauchgase.
1993 – Bau der Rauchgasnachreinigung
Die Anlage erhält eine zusätzliche Rauchgasnachreinigung mit Herdofenkoksfiltern. Diese dienen unter anderem der Abscheidung von Dioxinen und Furanen.
1995 bis 1997 – Die Transformation zum Kraftwerk
Die Anlage hat sich von einer klassischen Müllverbrennung zu einem hochmodernen Müllheizkraftwerk entwickelt. Im Schulterschluss mit den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) liefert sie seit 1995 unserer Stadt zuverlässig Fernwärme.
1997 – Aufnahme in das europäische Umweltregister
Am 11. Februar 1997 erhält die Anlage das Öko-Audit-Zertifikat und wird in das europäische Umweltregister EMAS aufgenommen.
2004 – Neubau der Rauchgasvorreinigung
Die AWG beginnt mit dem Neubau der Rauchgasvorreinigung. Damit wird ein weiterer Teil der mehrstufigen Rauchgasreinigung modernisiert.
2010 und 2018 – Erweiterung der Fernwärmeversorgung
2010 wird das Fernwärmenetz von Cronenberg nach Ronsdorf ausgebaut. Mit einer weiteren Erweiterung des Netzes erfolgt 2018 die Stilllegung des WSW-Kohleheizkraftwerks in Elberfeld.
2022 bis 2024 – Neubau von Kessel 15
2022 beginnt der Neubau von Kessel 15. Mit dem Abschluss des Projekts im Jahr 2024 wird die Technik zur thermischen Abfallbehandlung und Dampferzeugung weiter modernisiert.
2026 – 50 Jahre Betrieb am Standort Korzert
Seit 50 Jahren gehört die Anlage zur regionalen Entsorgungsinfrastruktur. Die heutige Bezeichnung „Thermische Abfallbehandlungsanlage“ umfasst ihre miteinander verbundenen Aufgaben: Abfälle behandeln, Rauchgase reinigen und Energie für Strom und Fernwärme bereitstellen.